Freie Trauung am Bodensee – vom Ballermann bis zum Ja-Wort auf der Rheinburg Gailingen
Manchmal beginnt die große Liebe genau dort, wo man sie am wenigsten erwartet. Bei Katja aus der Schweiz und Moritz aus Stuttgart war das im Sommer 2011 – ausgerechnet auf Mallorca. Elf Jahre später durfte ich ihre freie Trauung am Bodensee begleiten – auf der Rheinburg Gailingen, hoch über dem Rhein, mit Blick auf beide Länder.
Während Katja dort ihren Ausbildungsabschluss feierte, war Moritz mit seiner Fußballmannschaft auf der Insel. Im Megapark begegneten sich ihre Wege zum ersten Mal. Aus einer zufälligen Begegnung wurde ein erstes Kennenlernen – und obwohl sich ihre Wege nach dem Urlaub zunächst wieder trennten, ließ der Gedanke an Katja ihn nicht mehr los.
Kurz darauf brach Moritz zu einem längeren Aufenthalt nach Australien auf. Doch auch über tausende Kilometer hinweg riss der Kontakt nicht ab. Nach seiner Rückkehr lud er Katja zu seinem Geburtstag nach Stuttgart ein. Aus ersten Nachrichten per SMS, E-Mail und Facebook entwickelten sich regelmäßige Gespräche, aus Freundschaft wurde Liebe. Seit November 2011 gehen die beiden gemeinsam durchs Leben.
Eine Liebe zwischen Deutschland und der Schweiz
Ihre Geschichte ist etwas Besonderes, denn sie spielte sich über viele Jahre zwischen zwei Ländern ab. Katja lebte in der Schweiz, Moritz in Deutschland. Eine Fernbeziehung wurde zum Alltag – mit vielen Kilometern, unzähligen Fahrten über die Grenze und der Vorfreude auf jedes Wiedersehen.
Besonders herausfordernd wurde diese Zeit während der Corona-Pandemie. Als die Grenzen geschlossen waren, konnten sie sich zeitweise nur am Grenzzaun zwischen Deutschland und der Schweiz begegnen – räumlich getrennt und doch enger verbunden denn je.
Diese außergewöhnliche Situation wurde zu einer echten Bewährungsprobe für ihre Beziehung. Rückblickend sind sich beide einig: Gerade diese Zeit hat sie noch enger zusammengeschweißt.
Mit den Jahren wurde Moritz ein Stück weit zum „Schweizer“, während Katja immer mehr den schwäbischen Humor und die deutsche Mentalität kennenlernte. Aus einer deutsch-schweizerischen Fernbeziehung wurde Schritt für Schritt ein gemeinsamer Lebensweg.
Die kleinen Dinge machen den Unterschied
Was Katja und Moritz verbindet, sind nicht spektakuläre Gesten, sondern die vielen kleinen Momente des Alltags. Vertrauen, Ehrlichkeit, Humor und gegenseitige Wertschätzung bilden das Fundament ihrer Beziehung.
Moritz schätzt an Katja ihre Ruhe, ihre Gelassenheit und die Selbstverständlichkeit, mit der sie ihn unterstützt. Kleine Überraschungen zwischendurch, ein liebevoll vorbereiteter Obstbecher oder Salat während eines Spieleabends am Computer oder ihre ganz eigene, herrlich verrückte Art zuhause – all das sind Momente, die ihn bis heute zum Lachen bringen.
Katja wiederum liebt Moritz’ Verantwortungsbewusstsein, seinen Familiensinn und seinen Humor. Besonders berührt sie, mit wie viel Vorfreude er bereits an ihre gemeinsame Zukunft denkt. Schon lange bevor eigene Kinder überhaupt ein Thema waren, sammelte er Kinderbücher, weil er sich darauf freute, ihnen später einmal Geschichten vorzulesen.
Beide haben außerdem ein kleines Ritual, das zeigt, worauf es ihnen wirklich ankommt: Fast jeden Abend erzählen sie sich gegenseitig, was das persönliche Highlight ihres Tages war. Eine einfache Gewohnheit, die ihnen bis heute hilft, den Blick auf das Schöne im Alltag zu richten.
Natürlich gibt es auch Meinungsverschiedenheiten. Doch selbst wenn aus einer Kleinigkeit einmal eine Diskussion wird, endet sie oft mit einem gemeinsamen Lachen. Vielleicht ist genau das eines ihrer größten Geheimnisse.
Ein Heiratsantrag, der von Herzen kam
Der Heiratsantrag hätte kaum besser zu den beiden passen können. Nicht spektakulär auf einer Fernreise, sondern zuhause – an einem Ort, der für Geborgenheit und gemeinsame Erinnerungen steht.
An Katjas Geburtstag im März 2021 verwandelte Moritz die gemeinsame Wohnung in eine romantische Kulisse. Kerzen, Rosenblätter und viele liebevolle Details machten schon beim Betreten der Wohnung deutlich, dass dieser Tag etwas ganz Besonderes werden würde.
Die Worte, die Moritz an diesem Abend fand, sind längst nicht mehr alle präsent. Das Gefühl jedoch ist bis heute geblieben. Als er schließlich vor Katja auf die Knie ging und ihr die Frage aller Fragen stellte, gab es nur eine Antwort.
Freie Trauung Bodensee: die Rheinburg Gailingen hoch über dem Rhein
Ende August 2022 durfte ich die freie Trauung der beiden auf der Rheinburg Gailingen begleiten. Die Burg liegt im Landkreis Konstanz, wenige Kilometer westlich des Bodensees und direkt an der deutsch-schweizerischen Grenze. Für eine freie Trauung am Bodensee gibt es kaum eine Kulisse, die mehr hergibt. Hoch über dem Rhein, mit Blick auf Deutschland und die Schweiz, hätte es kaum einen passenderen Ort für ihre Geschichte geben können.
Schon die Kulisse machte diesen Sommertag unvergesslich. Doch einen ganz besonderen Moment bescherte den Gästen Familienhündin Emmy. Mit großer Gelassenheit brachte sie die Eheringe nach vorne und wurde damit zu einem ganz besonderen Teil der Zeremonie.
Es sind genau diese persönlichen Augenblicke, die eine freie Trauung auf der Rheinburg Gailingen einzigartig machen und lange in Erinnerung bleiben.
Warum ich meinen Beruf als Trauredner in Baden-Württemberg liebe
Für mich war diese freie Trauung am Bodensee weit mehr als eine Feier an einem wunderschönen Ort. Sie erzählte von zwei Menschen, die gelernt haben, dass Liebe keine Grenzen kennt – weder geografische noch kulturelle. Sie erzählte von Vertrauen, Geduld und der Bereitschaft, füreinander immer wieder neue Wege zu gehen.
Wenn ich heute an Katja und Moritz denke, erinnere ich mich nicht zuerst an Mallorca, den Grenzzaun oder den Heiratsantrag. Ich denke an zwei Menschen, die sich jeden Abend fragen, was das Schönste an ihrem Tag war. An einen Mann, der schon Kinderbücher kaufte, lange bevor er Vater wurde. An eine Frau, die seinen Humor liebt und ihn auch nach vielen gemeinsamen Jahren noch mit kleinen Gesten überrascht.
Und ich denke an eine Hündin namens Emmy, die an diesem sonnigen Freitag Ende August die Ringe nach vorne trug – als stilles Symbol dafür, dass auch die kleinsten Details eine freie Trauung unvergesslich machen können.
Genau deshalb liebe ich meinen Beruf als freier Trauredner. Hinter jeder Trauung steckt eine Geschichte, die so einzigartig ist wie die Menschen selbst. Und manchmal beginnt diese Geschichte eben ganz unerwartet – mit einer zufälligen Begegnung auf Mallorca. Die freie Trauung am Bodensee bleibt für mich eine der schönsten, die ich begleiten durfte.
Fotografin: Laura Belo Fotografie, Gottmadingen