Freie Trauung im Allgäu – warum für eine perfekte Hochzeit nicht immer die Sonne scheinen muss
Es gibt Hochzeiten, bei denen man sich schon während der Vorbereitung sicher ist: Das wird etwas Besonderes. So war es bei Katja und Adrian, deren freie Trauung im Allgäu ich im September 2017 begleiten durfte.
Die beiden leben und arbeiten in Stuttgart, ihre große Leidenschaft gehört aber den Bergen. Ob beim Skifahren, Wandern oder auf dem Rennrad – draußen unterwegs zu sein bedeutet für sie Freiheit, gemeinsame Zeit und die schönsten Auszeiten vom Alltag.
Kennengelernt haben wir uns einige Monate vor ihrer Hochzeit bei mir im Schwarzwald. Schon dieses erste Treffen blieb mir in Erinnerung. Nicht nur wegen der sympathischen Gespräche. Sondern weil Adrian anschließend nicht etwa ins Auto stieg.
Während Katja gemütlich nach Stuttgart zurückfuhr, zog er sich bei mir kurzerhand in sein Radtrikot um, klickte die Schuhe in die Pedale und machte sich mit dem Rennrad auf den Heimweg. Von Schiltach bis Stuttgart. Ich weiß noch heute, wie beeindruckt ich davon war. Spätestens da wusste ich: Diese beiden passen hervorragend zusammen.
Die Berge waren ihre erste Wahl
Dass ihre freie Trauung im Allgäu stattfinden sollte, war schnell klar. Mit den Bergen verbinden Katja und Adrian unzählige Erinnerungen.
Adrian war während seiner Bundeswehrzeit hier stationiert. Seine Familie besitzt seit vielen Jahren eine Ferienwohnung in der Region und gemeinsam verbringen die beiden bis heute jede freie Minute, die sich ergibt, am liebsten in der Natur.
Die Dreiländerblick-Hütte oberhalb von Oberstaufen bot genau das, was sie sich für ihre Hochzeit gewünscht hatten. Ruhe. Weite. Und einen Ort, an dem sich Familie und Freunde sofort wohlfühlen.
Manchmal schreibt die Natur ihre eigenen Geschichten
Wer in den Bergen heiratet, weiß: Das Wetter gehört einfach dazu. An diesem Septembertag zeigte sich das Allgäu nicht von seiner sonnigen Seite.
Doch rückblickend denke ich nicht an Regen. Ich denke an Menschen, die zusammengerückt sind. An lachende Gesichter. An eine Atmosphäre, die unglaublich herzlich war.
Vielleicht war genau das sogar das Schönste an diesem Tag. Denn niemand ließ sich die Freude nehmen. Im Gegenteil. Die Bilder zeigen bis heute, dass eine freie Trauung im Allgäu nicht vom Wetter lebt, sondern von den Menschen, die sie gemeinsam feiern.
Vom Skikurs zur großen Liebe
Die Geschichte von Katja und Adrian begann bereits im Jahr 2003. Allerdings alles andere als romantisch.
Während einer Skiausfahrt lernte Katja ihren Skilehrer Adrian kennen. Und der war ihr zunächst ausgesprochen unsympathisch. Schließlich wollte der selbstbewusste Skilehrer auch noch ihren Fahrstil verbessern. Keine gute Idee. Zumindest nicht aus Katjas Sicht.
Außerdem schienen damals alle anderen Mädchen für Adrian zu schwärmen. Katja nicht. Sie fand ihn einfach nur ziemlich doof.
Vier Jahre später trafen sich beide erneut. Diesmal als Skilehrer derselben Skiausfahrt. Aus Ablehnung wurde Sympathie. Aus Gesprächen wurden regelmäßige Nachrichten. Und obwohl beide zunächst andere Wege gingen, merkten sie irgendwann, dass ihre Geschichte noch längst nicht zu Ende erzählt war.
Im September 2008 wurden sie schließlich ein Paar.
Ein Heiratsantrag mit kleinen Umwegen
Auch der Antrag verlief nicht ganz nach Plan. Eigentlich sollte er schon einige Monate früher beim gemeinsamen Skifahren stattfinden. Das Wetter machte diesem Plan jedoch einen Strich durch die Rechnung. Also wanderte der Verlobungsring wieder zurück ins Gepäck.
Ein paar Wochen später ging es gemeinsam nach New York. Diesmal sollte nichts mehr schiefgehen. Zumindest theoretisch. Aus Sorge, den Ring beim Zoll erklären zu müssen, hatte Adrian vorsorglich sogar die Rechnung ausgedruckt und mitgenommen. Man weiß ja nie.
Der erste geplante Ort auf dem Empire State Building war zu voll. Später zu kalt. Also musste Plan B her. Schließlich fiel Adrian in der beeindruckenden Grand Central Station auf die Knie und stellte Katja die Frage aller Fragen.
Die Antwort ließ nicht lange auf sich warten. Und eine Gruppe älterer Damen spendierte den beiden spontan den ersten Hochzeitsapplaus ihres Lebens.
Worte, die mitten ins Herz gingen
Während der freien Trauung gab es viele besondere Momente. Die musikalische Begleitung. Die bewegende Geschichte vom „schönsten Herz“. Die persönlichen Wünsche von Katjas Schwester. Ein stiller Moment des Gedenkens an Adrians Mutter, die an diesem Tag zwar nicht sichtbar dabei sein konnte, aber in den Herzen aller ihren festen Platz hatte.
Den emotionalen Höhepunkt bildeten jedoch die persönlichen Worte, die sich Katja und Adrian beim Ringtausch schenkten. Sie hatten sich ganz bewusst entschieden, diesen Moment nicht einfach mit den klassischen Ringworten vorbeiziehen zu lassen.
Sie wollten sich erzählen, warum genau der andere der richtige Mensch an ihrer Seite ist. Nicht perfekt formuliert. Nicht auswendig gelernt. Sondern ehrlich. Genau so, wie ihre gesamte Beziehung ist. Man hätte an diesem Nachmittag eine Stecknadel fallen hören können.
Warum ich diese Berghochzeit bis heute nicht vergessen habe
Es gibt Hochzeiten, an die erinnert man sich wegen einer spektakulären Location. Andere wegen eines besonderen Programms. Und dann gibt es Hochzeiten wie diese.
Ich denke an zwei Menschen, die ihre Liebe über viele Jahre wachsen ließen – auch wenn sie beim ersten Aufeinandertreffen noch meilenweit von einem Traumpaar entfernt waren. An Rennräder, Berge und unzählige gemeinsame Kilometer. Und an eine freie Trauung im Allgäu, die eindrucksvoll gezeigt hat, dass Glück nicht vom Wetter abhängt.
Liebe Katja, lieber Adrian, vielen Dank für Euer Vertrauen, Eure Herzlichkeit und die wunderbare gemeinsame Vorbereitung.
Dass Adrian nach unserem Kennenlernen kurzerhand den Heimweg mit dem Rennrad antrat, war für mich damals schon ein kleiner Vorgeschmack darauf, wie Ihr beide durchs Leben geht: voller Energie, mit Ausdauer und immer gemeinsam in dieselbe Richtung.
Ich wünsche Euch, dass Euch genau diese gemeinsame Richtung noch viele Jahrzehnte begleitet. Und wenn unterwegs doch einmal Regen aufzieht, dann wisst Ihr längst, worauf es wirklich ankommt: nicht auf das Wetter, sondern auf den Menschen, der neben einem steht.
Fotografin: Michaela Janetzko